Banner
Banner 120x600 Denim

Christoph Angermann macht für den Volleyball-Regionalligisten VGF Marktredwitz das Spiel seines Lebens. Der angehende Doktor der Physik spricht aber nur von einem "guten Tag". Mitspieler und Trainer schwärmen über die Leistung des Spielers aus Stemmas.

Die VGF Marktredwitz steuert in der Volleyball-Regionalliga geradewegs in Richtung Titelverteidigung. Und ein Spieler aus Stemmas bei Thiersheim setzt die Akzente: Christoph Angermann. Der 29-jährige Mittelblocker befindet sich in der Form seines Lebens. Was sich eine Woche zuvor beim Sieg in Grafing schon angedeutet hatte, fand am Samstag im Spitzenspiel gegen den Zweiten TSV Niederviehbach noch eine Steigerung. "Wir sind selbst alle verblüfft über Christophs Leistungsexplosion", wundern sich Kapitän Jan Liebscher und Trainer Pavel Barborka über den gerade von einer Verletzung genesenen angehenden Doktor der Physik und Chemie. Als wissenschaftlicher Mitarbeiter steht Angermann am Lehrstuhl Bayreuth kurz vor der Promotion, ist dort in der Forschung tätig und unterrichtet zudem wöchentlich vier Stunden an der Fachoberschule in Marktredwitz. Schon immer war er der Tüftler und Bastler, als Schüler kaum von seinen Legosteinen wegzubringen.

"Ich hatte einfach einen guten Tag", spricht Angermann bescheiden über seine Leistung. "Nachdem mich jetzt so viele darauf angesprochen haben, muss es wohl gut gewesen sein." Zehn Jahre lang spielte der 1,96 Meter große Volleyballer für den CVJM Arzberg und wechselte vor drei Jahren von der Bezirksliga zum Nachbarn, der gerade in die 2. Bundesliga Süd aufgestiegen war. Ein "hartes Jahr" für Angermann, der vier Klassen übersprang und dabei das Pech hatte, längere Zeit mit einer Knieverletzung auszufallen. Als er wieder einstieg, war die Saison fast vorbei und der Abstieg besiegelt. "Mir war damals schon klar, dass so ein Riesensatz nicht ohne Probleme vonstatten geht", erinnert er sich. "Aber so eine Zeit macht dich auch stark." Der "sportliche Ehrgeiz" sei es gewesen, der ihn zum Volleyball-Primus nach Marktredwitz zog. Schon Jahre zuvor hatten seine Arzberger Mannschaftskameraden das große Talent ihres Spielers erkannt. Angermann, ein sehr bodenständiger Typ, konnte sich nur schweren Herzens zu einer Veränderung entschließen. Verständlicherweise hat ihn auch keiner zu einem Wechsel ermuntert, brauchte ihn doch der CVJM lange Jahre in der Landesliga. Erst nach dem Abstieg stand sein Entschluss fest. "Dass es einmal passieren würde, damit hatten einige schon gerechnet, darum war die Überraschung in Arzberg dann nicht ganz so groß. Aber ich wäre niemals wegen des Sports weiter weg gezogen. Hier in der Region bin ich daheim, und da macht es auch mehr Spaß, wenn die Familie und Bekannte zusehen."

Bereut freilich hat der sprunggewaltige und sehr intelligente Sportler den Schritt freilich nie. "Ich bin sehr ehrgeizig und wollte einfach mal ausprobieren, wie weit es geht." Ein Stammplatz war das Ziel. Darauf gedrängt freilich hat er nie. Erst als die Personaldecke bei der VGF wieder mal recht dünn war, sprang Angermann in die Bresche und zeigte, was er drauf hat. Eine Erklärung dafür, warum der große Durchbruch gerade jetzt in diesen Tagen gelang, hat er nicht. "Ich habe nur versucht, mich noch mehr auf die Gegenspieler und deren Gewohnheiten einzustellen. Dieser Sport hat unheimlich viel mit Spekulieren zu tun. Der eine spielt gerne diagonal, der andere verzögert und schlägt lang. Da bin ich einfach später hochgesprungen."

In den höchsten Tönen schwärmt Christoph Angermann von der Kulisse in Marktredwitz. Die Atmosphäre in der Sebald-Arena sei "einzigartig" und auch "in der gesamten Regionalliga etwas Besonderes", wie die Gegner immer wieder bestätigten. "Die dürfen das nur einmal in der Saison erleben, wir aber öfter."

Wenn der für die Musikanlage in der Sebald-Arena zuständige Florian Gelius "Hells Bells" von AC/DC auf legt und Sprecher Jörg "Kokus" Schüller kurz darauf den Namen Angermann aufruft, läuft es ihm eiskalt den Rücken hinunter. "Das motiviert und beflügelt." Und die Gewissheit, dass Ehefrau Karla seit einigen Wochen Mutterfreuden entgegensieht - im Juli soll es soweit sein - hat ihn noch stärker gemacht. Die Fans können sicher sein: Christoph Angermanns Vorstellung am Wochenende war bestimmt keine Eintagsfliege.