Herren 1 – Fünfter Sieg im sechsten Spiel

Die Volleyballer der VGF Marktredwitz verteidigen vor 400 Fans Platz zwei in der 3. Liga Ost. Sie spielen Zschopau im vierten Satz in Grund und Boden. Ein 17-Jähriger brilliert.

VGF Marktredwitz – TSV Zschopau 3:1

Die VGF Marktredwitz sorgt in der 3. Volleyball-Liga Ost weiter für Furore. Vor der Saison-Rekordkulisse von fast 400 Zuschauern rang die Mannschaft von Trainer Milan Cernousek den zum Favoritenkreis zählenden TSV Zschopau mit 3:1 nieder. Sie verteidigte Platz zwei und reist nun ohne Druck zum Liga-Gipfel am kommenden Samstag zum früheren Erstligisten und Liga-Krösus VC Dresden.

VGF Marktredwitz: Jan und Joschi Liebscher, Bican, Forst, Jonas Lindner, Schwinger, Koran, Janek Lindner, Soderer, Weiß.
TSV Zschopau: Richter, Nentwich, Böttiger, Haase, Kloss, Kunert, Knöbel, Schreiter,Keller, Zimmermann, Auerswald, Bechtold.
Schiedsrichter: Büttner (Gräfendorf bei Pösneck)/Weißenfels (Erlangen).
Zuschauer: 390.
Sätze: 25:20, 26:24, 17:25, 25:13.
Spielzeit: 81 (21/23/19/18) Minuten.

Gänsehautgefühle überkamen die Marktredwitzer Spieler, als nach dem Abpfiff des guten Schiedsrichtergespanns die Hallen-Discjockeys „Stand up for the champions“ von Right Said Fred auflegten und sie von der stimmungsvollen Kulisse mit lang anhaltenden Ovationen und Sprechchören verabschiedet wurden. Ein bisschen durften sie sich in diesem Moment alle fühlen wie Champions nach dem Sieg über die ambitionierten Zschopauer mit ihrer 20-köpfigen lautstarken Fangruppe. Bis auf die Partie gegen das ausnahmeteam aus Dresden hatten die Sachsen bis dato alle ihre Partien gewonnen. „Wir wollten hier sicher nicht verlieren, aber Marktredwitz hat sehr klug und abgeklärt gespielt“, lobte deren Trainer Marco Donat, der seit dieser Saison das Zepter schwingt. „Wir aber haben viel zu viele Fehler gemacht und waren mental von Anfang an nicht auf dem Platz.“ Was in erster Linie auch am druckvollen Spiel der Hausherren festzumachen ist, das besonders ausgeprägt im vierten Satz zum Tragen kam. Die Zschopauer brachten wahrlich keinen Fuß mehr gegen eine wie aus einem Guss agierende VGF auf den Boden. „Da war gar nichts mehr mit uns“, zeigte sich Donat enttäuscht über die rasante Talfahrt und kündigte an, „einiges in dieser Woche aufarbeiten“ zu müssen.

Jonas Lindner im Angriff

Dass in der engen Partie bei ständig wechselnder Führung die Hausherren ihren dritten Heimerfolg in Serie feiern durften, hatten sie auch ihrer Unbekümmert- und Hartnäckigkeit zu verdanken. Mit breiter Brust und mit Ausnahme des dritten Satzes, als sie sich 19 Minuten lang eine Kette an Fehlern vor allem in der Annahme leisteten, begegneten sie den eingespielten Gästen stets auf Augenhöhe. Sie scheinen derzeit durch nichts zu erschüttern. Nach Rückständen hatten sie stets die bessere Antwort parat, waren schwer auszurechnen. Sicher auch ein Verdienst der hohen Kompetenz am Spielfeldrand mit Milan Cernousek und Co-Trainer Rudi Liebscher. Das machte den Unterschied zu den Gästen, deren Abhängigkeit vom kaum zu bändigenden Angriffsungeheuer Daniel Kloss doch allzu offensichtlich ist. Wenngleich der Trainer vom gelegentlich auch mit roher Gewalt auf den Ball einhämmernden 1,96 Meter-Hünen „noch mehr erwartet“ hatte. „Wir sind ein Team und keiner spielt für die Galerie“, betont Kapitän Jan Liebscher das Erfolgsgeheimnis. Der Einzelne sei ein Rad des Ganzen. Drum will auch der Trainer den Sieg („ich bin selbst überrascht wie gut das anläuft“) als einen der gesamten Mannschaft verstanden wissen und niemanden hervorheben.

Wir tun es doch: Jonas Lindner stand mit seinen gerade 17 Jahren daheim zum ersten Mal von Anfang an auf dem Feld und dankte es mit einer Leistung, die der eines Routiniers würdig war. Entsprechend nahmen die Schulterklopfer nach dem Abpfiff kein Ende.

„Er hat jetzt die Atmosphäre geschnuppert“, freut sich der Trainer, dass auch der mit seinen 2,04 Meter größte seiner vier Youngster die Hemmungen vor dieser doch erdrückenden Kulisse in der Sebald-Arena ablegen konnte. „Weltklasse“ attestierte der noch voller Adrenalin steckende Jan Liebscher seinem jungen Mittelblocker Sekunden nach dem Abpfiff. „Jonas hat keinen Fehler gemacht und war durch nichts und von niemandem zu halten.“

Und der Protagonist selbst strahlte wie ein Schneekönig: „Unglaublich, mein bestes Spiel. Endlich habe ich mal den Kopf ausgeschalten“, grinste Jonas Lindner in seiner ungemein sympathischen Art. „Sonst bin ich eher einer, der zu viel nachdenkt.“ Und er habe sich „tragen lassen von der Stimmung“. Die Leistung der Mannschaft dabei sei „genial“ gewesen. Was ihm vieles erleichtert habe. Ein Sonderlob verdienten sich auch Jan und Joschi Liebscher, die auf dem Feld den Ton angaben und die sogenannten „Big-Points“ buchten. Der Einsatz von letzterem stand wegen einer fiebrigen Erkältung bis kurz vor Spielbeginn auf der Kippe.

Auf die Tabelle will Milan Cernousek allerdings auch weiterhin nicht gucken. Vielleicht ändert er seine Meinung bald. Denn dann gastiert der VC Gotha. „Eines unserer wichtigsten Spiele“, lenkt der 58-Jährige bereits den Fokus auf das Duell gegen den Tabellenneunten. Obwohl sein Team nach knapp einem Drittel der Saison schon über die Hälfte der Punkte für den Ligaerhalt gesammelt hat und mit 14 Zählern und Platz zwei glänzend dasteht, warte noch viel Arbeit. Seine oberste Devise: Auf dem Teppich bleiben!

Bericht: Peter Perzl, Frankenpost

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