Herren 1 – Einer für die wichtigen Punkte

Der Schwaiger Harry Schlegel gilt im Volleyballsport als einer, der ein Spiel allein entscheiden kann. Die VGF Marktredwitz kann sich glücklich schätzen, ihn ab der neuen Drittliga-Saison in ihren Reihen zu haben. Der 25-Jährige fiebert bereits dem ersten Heimspiel in der Sebald-Arena entgegen.

Von Peter Perzl

Die Erwartungshaltung ist groß. Aber mit Druck umzugehen, hat Harry Schlegel früh gelernt. Wenn die Spieler der VGF Marktredwitz einen vom letztjährigen Drittliga-Vizemeister und frischgebackenen Zweitligisten SV Schwaig wirklich fürchteten, war es der inzwischen 25-Jährige. Schlegel galt bei den Mittelfranken als so etwas wie die Identifikationsfigur, wohnt nur 500 Meter von der Halle am Mittelbügweg entfernt und hat das Training oft zu Fuß besucht. Kaum einer konnte sich vorstellen, dass er seinen Verein einmal verlassen würde. Doch das Kapitel ist, zumindest vorerst, beendet. Nutznießer, die VGF Marktredwitz. Denn für die spielt Harry Schlegel ab dieser Saison. „Für ein Taschengeld“, wie er sagt, wohlwissend dass es im Volleyball viel Ehr, aber keine Reichtümer zu ernten gibt.

Yannick Beck und Harry Schlegel

Sagt schon jetzt, wo es lang geht: Harry Schlegel (rechts) mit seinem Beachpartner Yannic Beck im Dress der VGF
Marktredwitz. Beide holten sich in diesem Sommer die bayerische Volleyball-Meisterschaft.

Über die Gründe seines Weggangs redet er offen. „Der neue Trainer in Schwaig konnte nicht mit mir und ich nicht mit ihm“, sagt Schlegel. Das sei schon einige Zeit so gewesen. Sofort erinnerte er sich an die Offerte von VGF-Kapitän Jan Liebscher. Der buhlt schon seit Jahren um den 1,93 Meter großen Außenangreifer, der auch auf fast allen anderen Positionen einsetzbar ist und zudem eine exzellente Ballannahme besitzt. „Das war der beste Mann in Schwaig, so einen würde ich nie ziehen lassen. Die Politik dieses Vereins verstehen ich nicht“, sagt Milan Cernousek, der unheimlich große Stücke auf Schlegel hält und den Spieler natürlich mit „Kusshand“ nimmt. „Wir brauchen ihn für die ganz wichtigen Punkte, dann, wenn es richtig eng wird und einer Verantwortung übernehmen muss“, sagt sich der VGF Trainer. Er weiß nur zu gut um die Qualitäten des Spielers aus seiner eigenen aktiven Zeit bei den Schwaigern und dass der an einem guten Tag ein Spiel im Alleingang entscheiden kann. Dass nehme einige Last von den anderen. Den Marktredwitzern entgegen kommt die Tatsache, dass Schlegel im Oktober seine Stelle als Wirtschaftsinformatiker bei Siemens in Erlangen antritt und darum nicht mehr den ganz großen Aufwand für die 2. Bundesliga betreiben wollte. Freilich auch ein bisschen demotiviert von der fehlenden Anerkennung bei seinem Heimklub. Schlegel ist selbst gespannt, wie er den Spagat zwischen Beruf und Spitzensport hinbekommt. „Das gute Klima hier in Marktredwitz hat mit den Ausschlag gegeben, mir gefällt es einfach, und ich will mit den Jungs viel Spaß und Erfolg haben“, erklärt Schlegel, der zwei Mal in der Woche zum Training anreisen wird und möglichst alle Spiele für die VGF bestreiten soll. „Bisher hatte ich in Marktredwitz immer nur Auswärtsspiele. Die waren für uns Schwaiger in dieser ungewöhnlichen Halle mit den vielen Zuschauern immer ein Highlight, jetzt gehöre ich hier selbst dazu“, kann Schlegel das erste Heimspiel am 19. Oktober gegen den VSV Jena kaum mehr erwarten. Zuvor muss sich seine neue Mannschaft aber noch beim sächsischen Zweitliga-Absteiger in Zschopau beweisen. Eine verdammt hart Nuss. Für den ehrgeizigen Harry Schlegel allerdings kein Problem. Er mag enge Spiel, lässt sich gerne puschen von der Atmosphäre und versteht es, sich in schwere Prüfungen hineinzuknien. Zumal er mit dem neuen Spielermacher Petr Konopka schon vorzüglich harmoniert.

Sich selbst bezeichnet Schlegel als Spätstarter. Erst mit 18 Jahren hat er mit dem Volleyballspielen begonnen und sich aufgrund seines Talents und einer schnellen Auffassungsgabe rasch entwickelt. In diesem Sommer gewann er sogar mit seinem Partner Yannic Beck die bayerische Beachmeisterschaft. Der 18-Jährige aus Neumarkt sah sich das Training in Marktredwitz zwei Mal an und entschloss sich ebenfalls, für die VGF zu spielen. Etwas Besseres als ein eingespieltes Duo zu bekommen, konnte der VGF nach sieben Abgängen zur Vorsaison nicht passieren. Über fehlende Wertschätzung wird es beiden sicher nicht mangeln. Dafür werden allein schon die VGF-Fans sorgen – fast 300 im Schnitt und wie ein Mann hinter ihrer Truppe stehend.

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