Herren 1 – „Wir denken nicht ans Verlieren“

Die VGF Marktredwitz überrascht sich selbst. Sie führt mit ihren vier Teenies die Tabelle der dritten Volleyball-Liga an. Die Fans sind ein Phänomen und die Mädels elektrisiert.

Von Peter Perzl

Die VGF Marktredwitz ist in aller Munde. Was die Spieler des Volleyball-Drittligisten mitten im größten Verjüngungsprozess in der mittlerweile fast 35-jährigen Vereinsgeschichte aufs Parkett zaubern, verdient allerhöchsten Respekt.

Wie fühlt Jan Liebscher, wenn er auf die Tabelle blickt? „Ich amüsiere mich ein bisschen darüber“, sagt der Kapitän, wohlwissend, dass dies nicht so bleiben wird. „Aber wir haben die vier direkten Konkurrenten besiegt“, was im Abstiegskampf fast so viel wie die halbe Miete bedeutet. „Wenn wir ähnlich in die Rückrunde starten, könnte das bereits genügen.“ Denn er ist felsenfest davon überzeugt, dass es in dieser Saison nicht wieder zu einer ähnlich engen Konstellation kommt, wie im Vorjahr, als von Platz neun aufwärts noch vier Teams um den Verbleib zittern mussten. „Ich schätze, 20 bis 23 Punkte sollten am Ende reichen.“

Jan Liebscher

Vier Spiele, vier Siege und Tabellenführer – hat sich die Mannschaft von Trainer Milan Cernousek selbst überrascht? „Jein“, meint Liebscher. „Wir denken alle sehr positiv und vor allem nicht ans Verlieren“, sieht er als ein Erfolgsgeheimnis an. Dazu seien die vier Youngster – drei 15-Jährige und ein 16-Jähriger – „ungemein fleißig“ und würden „sehr strukturiert“ denken. Dabei beeindruckt Liebscher, wie exakt Philipp Weiß, Janek und Jonas Lindner und Paul Soderer ihren Tag mit Schule, Trainingszeiten und privaten Hobbys planten. „Die wollen halt und arbeiten hammerhart an sich“, meint der inzwischen 38-Jährige, der nur wenige in diesem Alter kennt, die so ticken. Dass die Neuzugänge von der SG TB Weiden/TV Vohenstrauß den Riesensatz von der Bezirksklasse in die dritte Liga so schnell packen würden, davon waren auch nicht alle im Verein überzeugt. Der Trainer aber hatte einen Plan: Mit mindestens drei Trainingseinheiten pro Woche seit Ende April und über die gesamte Sommerpause hinweg wollte er es schaffen. Cernousek mit all seiner Erfahrung hat recht behalten.

Allerdings bedurfte es dazu der tatkräftigen Mithilfe von Jan und Joschi Liebscher sowie Max Schwinger, um zu den Einheiten möglichst authentische Spielsituationen zu ermöglichen. „Jetzt aber spüre ich das“, sehnt sich der Geschäftskunden-Berater bei der Weidener Oberbank nach einer Auszeit. Nicht dass Liebscher die nstrengungen körperlich spüre, vielmehr sei er mental nach der langen Vorsaison ein wenig müde. Eine Pause ist ihm aber erst am ersten Dezember-Wochenende vergönnt. Bis dahin heißt es durchhalten. Befürchtungen, der Nachwuchs könnte angesichts der Erfolge abheben, hegt bei der VGF Marktredwitz keiner der Verantwortlichen. „Die Jungs sind einfach spitze – sportlich wie menschlich“, zeigt sich Liebscher überwältigt von deren Auftreten. Einen ganz besonderen Dank zollt er den Eltern, die hundertprozentig hinter dem Volleyballsport stünden. „Ohne die könnten wir uns auf den Kopf stellen und mit den Füßen wackeln.“

Und wie beurteilt er die Chancen gegen die „Großen“ der Liga? „Dresden, Zschopau und Freising sehe ich ganz vorne, aber dahinter ist jetzt alles möglich,“, sagt Liebscher. Als „absolutes Phänomen“ beurteilt er die Zuschauerzahlen mit durchschnittlich 350 pro Partie.

Neben der Neugier auf die Neuen seien es vor allem viele Mädels, die elektrisiert seien von den jungen Kerls und wollen ihnen zujubeln. „So schlecht sehen sie ja nicht aus“, scherzt der Kapitän, der einen regelrechten Hype ausgemacht hat.

In Weiden sollen sich die jungen Damen bereits am Montag absprechen, wie sie denn am Wochenende am besten zu den Spielen nach Marktredwitz kommen. Die VGF ist eben in aller Munde.

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