Herren 1 – Ich denke wir werden Spaß haben

Die personellen Veränderungen beim Volleyball-Drittligisten VGF Marktredwitz kommen auch für Trainer Milan Cernousek überraschend. Genauso wie der drohende und erst jetzt öffentlich gemachte Vier-Punkte-Abzug wegen zweier fehlender Schiedsrichter mit B-Lizenz.

Milan Cernousek, die VGF Marktredwitz startet m Samstag beim Zweitliga-Absteiger Zschopau in ihr zweites Volleyball-Drittliga-Jahr. Dürfen wir auf ein erfolgreicheres als in der Vorsaison hoffen?
Ich bin selbst gespannt. Sieben Spieler sind weg, fünf kamen dazu. Das ist praktisch eine ganz neue Mannschaft. Die harmoniert aber schon ganz gut, das haben die bisherigen Tests gezeigt. Geblieben sind nur Jan und Joschi Liebscher, Marko Knauer und Jan Forst. Eine Prognose vermag ich nicht abzugeben. Außerdem muss ich mich selbst erst auf meine neue Rolle als Trainer einstellen. Früher konnte ich der Mannschaft als Spielertrainer auf dem Feld helfen. Das geht jetzt nicht mehr.

Was spricht für Ihre Truppe?
Wir hatten eine sehr gute Vorbereitung, waren Radfahren, Laufen, Springen, die ganze Palette – und das in der Regel drei Mal pro Woche. Zusätzlich haben wir an insgesamt sechs Turnieren teilgenommen. So vielen wie seit Jahren nicht mehr. Und wir waren mit ganz wenigen Ausnahmen fast immer komplett. Einzig der Harry Schlegel stieß erst Mitte September zum Kader, weil er die Beach-Tour auf Sand gespielt hat. Aber er ist entsprechend fit, und das Verständnis mit unserem Zuspieler Petr Konopka wird immer besser. Der Harry ist einer, der auch in schwierigen Phasen die Bälle fordert und dann Druck macht, wie früher bei uns ein Karel Jerabek. So einer hat dieser Mannschaft im letzten Jahr gefehlt.

War dieser ungewöhnlich heftige personelle Umbruch so geplant oder kam er auch für Sie überraschend?
Der war ganz sicher nicht geplant. Aber es waren vorwiegend berufliche Gründe, mit denen die Leute uns konfrontierten. Björn Dehler ist Lehrer, muss dorthin, wo ihn das Ministerium hinbeordert. Christoph Angermann, der zurück zur CVJM Arzberg in die Landesliga wechselt, kann ich verstehen. Er hatte viele Verletzungen in den letzten Jahren und ein kleines Kind zu Hause. Er wollte einfach kürzer treten. So haben wir aber gleich zwei Mittelblocker verloren. Daniel Vogt wollte als Libero bei uns bleiben. Er hat mich zum Saisonende gefragt, ob er die Position weiterspielen dürfe. Aber erster Mann hier ist der Jan Forst. Ich hatte Daniel darum den Platz als zweiten Steller angeboten, aber den wollte er nicht mehr spielen. Komisch ist nur, dass er jetzt in Eltmann genau diese Position inne hat. Und der Yannick Klement hat uns erst vor drei Wochen gesagt, dass er nach Schwaig wechseln wird.

Sie kommen trotzdem über die Runden?
Die Zahl der Abgänge ist zwar drastisch, aber mit neun Spielern, das passt schon. Wenn es ganz eng wird, steht uns der Andreas Söllner aus der zweiten Mannschaft zur Verfügung.

Was hat sich am Spielsystem verändert?
VGF Drittliga-Mannschaft 2013/14 Unser Spiel ist schneller, vielleicht auch noch etwas unberechenbarer geworden. Wir haben ein Überangebot an guten Außenangreifern, aber ich habe noch einen Spieler für die Mitte gebraucht, der eine gute Annahme hat, gut aufschlägt und sichere Bälle spielen kann. Dafür kam nur unser Kapitän Jan Liebscher in Frage. Vor allem, da Vaclav Orsuliak, der für diese Position vorgesehen war, nach seiner Knie-Operation im Frühjahr noch immer nicht ganz fit ist. Überaus positiv überrascht hat mich Marko Knauer, der zuletzt beruflich bedingt in Moskau trainierte, aber bei einigen Turnieren dabei war und in der Mitte zwei überragende Matches spielte. Gleiches gilt für Yannic Beck. Der Trainingseinsatz bei allen war mehr als hundertprozentig. Ich denke, wir werden viel Spaß haben.

Stimmt es, dass das Damoklesschwert eines Vier-Punkte-Abzugs über der VGF Marktredwitz schwebt?
Leider, ja. Weil wir keine zwei Schiedsrichter mit B-Lizenz aufbieten können. Ich finde das einen echten Hammer. Wir haben mit Rainer Heichel und Sergej Vajtekhowitsch zwei mit A-Lizenz, also für 1. und 2. Bundesliga. Die aber sind quasi überqualifiziert,
zählen nicht. Es müssen Schiedsrichter sein, die bis zur 3. Liga pfeifen.

Eine schwere Hypothek in einer Liga mit zehn Mannschaften?
Es ist ganz schlimm, wenn du so in die Saison starten musst. Das hat mit Sport nichts zu tun. Die Leidtragenden sind die Aktiven. Das macht die Saison natürlich um einiges schwieriger bei nur 18 Partien. Wir sind die einzigen, die dieses Schicksal trifft.

Was sagen Sie zur neuen Punkte-Regel?
Ich finde sie richtig gut. Du musst immer Vollgas geben, um für drei Punkte 3:0 oder 3:1 zu gewinnen. Wenn du 2:3 verlierst, bekommst du für deinen Einsatz noch einen Zähler. Das macht die Spiele interessanter für Zuschauer und Spieler.

Am Samstag geht es gleich zum Zweitliga-Absteiger nach Zschopau.
Sicher die schwierigste Auftaktprüfung, die man bekommen konnte. Das Publikum bei den Sachsen gilt als euphorisch und steht wie ein Fels hinter seinem Team. Wir stellen uns auf eine ganz enge Partie ein, obwohl ich vom Gegner so gut gar nichts weiß. Aber einen Punkt wollen wir mindestens mitbringen. Ob das Publikum dort gegen oder für uns ist, ist uns eigentlich egal. Beides motiviert uns eher, als dass es uns bremst.

Noch ein letztes Wort zum besten Publikum der Liga, wie selbst die Konkurrenz die VGF-Fans bezeichnet, und zu einer der wohl ungewöhnlichsten Sportarenen im deutschen Volleyballsport, der Marktredwitzer Sebald-Arena.
Ich verspreche, dass wir in unserer Arena alles geben, damit die Zuschauer zufrieden nach Hause gehen. Unabhängig davon, ob wir gewonnen oder verloren haben. Ich hoffe, dass zum Heimauftakt gegen Jena am 19. Oktober die Hütte brennt und die Fans als siebter Mann hinter meiner Mannschaft stehen.

Das Gespräch führte Peter Perzl

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