Herren 1 – Ein Sieg ohne Esprit

Die VGF Marktredwitz wahrt mit einem holprigen 3:0 über Gotha ihren Heimnimbus in der dritten Liga Ost. Der Sicherheitspuffer in der Tabelle nach hinten wächst.

VGF Marktredwitz – VC Gotha 3:0

Die VGF Marktredwitz bleibt zu Hause eine Macht. Mit einem allerdings nur auf den ersten Blick glatten 3:0-Erfolg über den VC Gotha verteidigten die Volleyballer in der 3. Liga Ost Platz zwei hinter Tabellenführer VC Dresden und können gelassen den restlichen drei Vorrundenpartien am nächsten Sonntag in Niederviehbach und zwei Wochen später daheim gegen die starken Freisinger entgegensehen.

VGF Marktredwitz: Jan und Joschi Liebscher, Bican, Jonas Lindner, Schwinger, Forst, Koran, Weiß, Soderer,
Janek Lindner.
VC Gotha: Herrmann, Mengs, Ch. Aßmann, Heinze, Schlöffel, Braune, Schneider, Renkwitz, Kachel, J. Aßmann.
Schiedsrichter: Sebastian Meier (Sulzbach-Rosenberg)/Patrick Scarabis (Reichenbach).
Zuschauer: 340.
Sätze: 25:23, 25:21, 25:23.
Spielzeit: 68 (20/23/25) Minuten.

Nur das Ergebnis stimmte Milan Cernousek zufrieden. „Abhaken, wichtig sind die Punkte“, neigte er dann doch dazu, den Abend positiv zu sehen. Zumal seine Truppe wieder einmal bewiesen hat, dass sie in engen Situationen die Nerven bewahrt und zulegen kann. Einigkeit herrschte allerdings darüber, dass diese Partie im Vergleich zur bislang so überraschend gut verlaufenden Saison doch deutlich abfiel. Was den Marktredwitzer Trainer am meisten ärgerte, waren „die vielen leichten Fehler“, die seiner Truppe immer wieder unterliefen und ihn zwischendurch doch ein bisschen am so wichtigen Erfolg („ein Meilenstein“) über die Thüringer zweifeln ließen.

Erfreulich dagegen, dass die VGF in der Tabelle nach hinten abgesichert scheint und keine solche Zittersaison wie im Vorjahr mehr befürchten muss. Der Trainer schließt nun angesichts der 17 Punkte nicht aus, die Ziele demnächst neu zu definieren. Deutlich wurde wieder einmal, dass seine Truppe schon an ihr Leistungsmaximum gehen muss, um erfolgreich zu sein. „Jeder hat seinen Teil erledigt, aber eben nicht mehr“, ärgerte sich Kapitän Jan Liebscher, der in einigen Phasen Biss und Galligkeit vermisste. Tugenden, die die Mannschaft bislang auszeichneten. Kein Wunder, dasss Milan Cernousek ziemlich angefressen aus der Pause eilte. „Käse ist das, was wir spielen.“ Von der Kritik nahm er ausdrücklich Jan und Joschi Liebscher sowie Jonas Lindner aus, die ihr Leistungsvermögen abriefen.

Mit den hart geschlagenen Sprungaufgaben von Mengs und Braune bereiteten die Gothaer dem heimischen Ensemble mitunter arge Probleme, so dass es keinen Druck aufbauen konnte. Darunter litt der Spielfluss. So wechselte im ersten Satz die Führung permanent.

Marktredwitzer BlockMehr als ein, zwei Zähler Vorsprung waren für keinen der beiden Kontrahenten drin. Nach dem 18:15 schien der Knoten geplatzt zu sein. Richtig freispielen konnten sich die Hausherren aber dennoch nicht, kassierten wieder den Ausgleich. Nach der zweiten Auszeit des Trainers bei 23:23 waren es Joschi Liebscher mit einem harten Angriffsball über die Netzmitte und Jan Liebscher mit einem Flatteraufschlag, die die Gäste vor unlösbare Probleme stellten und den Sack zuschnürten. Auch der zweite Satz gestaltete sich lange zäh, ehe nach einem langen Ballwechsel ein fantastischer Block zum 20:16 den Gothaern den Zahn zog. Kurzzeitig herrschte riesen Konfusion bei den Thüringern. Trotzdem bedurfte es am Ende schon des fünften Satzballs – Christoph Aßmann schlug den Aufschlagball dankbarer Weise ins Netz –, um mit einer 2:0-Führung in die Pause zu gehen. Leichter wurde es aber trotzdem nicht. Nur gut, dass Petr Koran inzwischen fast jeden scharf geschlagenen Aufschlagball mit unglaublich stoischer Ruhe entschärfte. Der Marktredwitzer Libero stach seinen Gegenüber Per Ole Schneider um Längen aus.

In Durchgang Nummer drei, als die Hausherren schon mit 10:15 hinten lagen und ein vierter Satz drohte, rief der Gastgeber seine beste Leistung ab. Joschi Liebscher schien mit dem 17:17-Ausgleich die Wende herbeizuführen. Nach einem grandiosen Ballwechsel zum 21:19 und tosendem Beifall von der Galerie war alles angerichtet. Doch selbst die zwischenzeitliche 23:19-Führung geriet noch einmal in Gefahr. Jan Liebscher beendet schließlich mit Matchball Nummer zwei alle Unklarheiten. Wie versteinert und in Trance saß Gäste-Coach Jörg Schulz noch lange nach Spielschluss allein auf seiner Bank, kritzelte etwas auf seinen Notizzettel und nahm offenbar gar nicht so richtig war, dass sich die Halle längst geleert hatte. „Wir haben dumme Fehler gemacht, die ich glaubte, längst ausgemerzt zu haben“, resümierte er mächtig angesäuert. Marktredwitz habe sein Plus an Erfahrung ausgespielt und sei „einfach besser“ gewesen. Trotzdem wollte er etwas mitnehmen aus Marktredwitz. Mehr als die Portion Erfahrung im Gepäck. „Ich dachte“, sagte Schulz, „ wir sind nicht so weit weg von denen – aber wir sind’s eben doch…!“

Bericht: Peter Perzl, Frankenpost

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