Herren 1 – „Am liebsten würde ich nur daheim spielen“

Für Joschi Liebscher von der VGF Marktredwitz ist es eine Ehre, in der dritten Volleyball-Liga vor den eigenen Fans aufzulaufen. Er verrät ein Geheimnis und warnt vor Freising.

Joschi Liebscher (32), es ist fast Saison-Halbzeit in der 3. Volleyball- Liga Ost und die VGF Marktredwitz rangiert noch immer an der zweiten Position. Dabei wollte sie doch gegen den Abstieg spielen. Wurde zu tief gestapelt?

Auf gar keinen Fall. Ich bin selbst verblüfft wie gut das läuft. Mir war zwar klar, dass die Liga in diesem Jahr zumindest auf dem Papier etwas schwächer erscheint, aber dafür hatten wir auch große Veränderungen. Ein schlechter Start und bisschen Verletzungspech – schon hängst du hinten drin. Das kann ganz schnell eine Eigendynamik nehmen. Wir haben das ja im vergangenen Jahr erlebt, als wir bis zum letzten Spieltag gegen den Abstieg gespielt haben. Damit hatten wir nie gerechnet.

Was hat sich verändert im Lager der VGF?

Wir haben an Erfahrung verloren, dafür aber sind wir mannschaftlich deutlich geschlossener. Das sind Welten zum vergangenen Jahr. Dem alten Stamm tun die jungen Leute gut und die Jungen profitierten von denen. Alle Älteren wollen beweisen, dass sie noch immer besser sind und spielen konstant um zehn Prozent stärker.

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Sie sind mit ihren 32 Jahren einer, der schon viele Höhen und Tiefen in Marktredwitz miterlebt hat. Macht denn Volleyball noch immer so viel Freude angesichts ihrer beruflichen Belastungen mit den vielen Reisen bei Cube in Waldershof?

Volleyball macht mir generell Spaß. Aber so viel wie im Moment hatte ich in den letzten beiden Jahren selten. Wir sind einfach ein familiär geführter Verein, in dem unheimlich viele Freundschaften bestehen und die Spieler auch gemeinsam in den Urlaub verreisen. Im Training fehlt kaum einer und alle sind mit riesigem Engagement dabei. Da reißt einer den anderen mit. Wenn ich zurückdenke, wie die vier Jungs aus Weiden im April bei uns angefangen und welche Entwicklung sie in der kurzen Zeit genommen haben, ist das phänomenal. Damals haben sie kaum die Bälle richtig getroffen, jetzt landen die nach der Bodenberührung hoch oben auf der Galerie.

Aber wir haben gehört, neben dem sportlichen Erfolg tut sich bald noch etwas im Hause Liebscher? Ich ahne, was Sie meinen. Es hat sich scheinbar herumgesprochen, dass ich im Februar Vater eines Mädchens werde. Das motiviert zusätzlich.

Wie erklären Sie sich den Zuschauerboom?

Unsere Fans haben sich schon immer sehr mit uns identifiziert. Es ist halt ein Unterschied, ob Spieler aus dem Nürnberger Raum kommen oder aus der Weidener Gegend, quasi um die Ecke. Dazu kommt, dass die Eltern von Paul Soderer Wurzeln im Fichtelgebirge haben. Als ich mit 18 Jahren zur Mannschaft stieß, hatten wir ein Durchschnittsalter von 40 Jahren, jetzt liegt es bei 25, vielleicht sogar ein bisschen drunter. Entsprechend hat sich unser Publikum verändert. Viele junge Leute haben zu uns gefunden, vor allem auch weibliche. Es ist ein guter Mix aus Jung und Alt, der uns anfeuert.

Entsprechende Unterstützung werden Sie auch am Samstag um 20 Uhr zu Hause gegen den Vierten aus Freising benötigen. Der Gegner kam zuletzt stark auf und gilt als besonders unangenehm.

Richtig. Das ist eine noch junge, aber nicht zu junge dynamische und coole Truppe mit einem erfahrenen Trainer. Die haben uns mit ihren 22 bis 27 Jahren etwas an Reife voraus. Im Vorjahr haben wir zwei Mal gegen die gewonnen, aber ich weiß heute noch nicht, wie wir das geschafft haben. Danach haben die kein Spiel mehr verloren und eine Serie von neun Siegen hingelegt. Ich erwarte ein gutes, extrem spannendes Spiel. Der erste Platz in der Tabelle ist quasi an die Überflieger aus Dresden vergeben. Wo soll die Reise hingehen für die VGF?

Wir wollen Zweiter bleiben, auch wenn das extrem schwer wird. Das ist wohl das Maximum, das in der Truppe steckt. Vielleicht gelingt es uns in der Rückrunde, Dresden die erste Niederlage beizubringen. Denn daheim müssen wir wirklich keinen fürchten und können an einem guten Tag auch eine solche profihaft geführte Truppe packen.

Was fühlen Sie, wenn Sie bei den Heimspielen in der Sebald-Arena aufgerufen werden vor dieser Kulisse von 350 bis 400 Zuschauern? Es ist für mich eine große Ehre, hier auflaufen zu dürfen. Ich genieße jede Minute. Das sehen auch alle anderen so. Unser Jan „Foxi“ Forst wollte schon ein paarmal aufhören, aber diese Atmosphäre treibt ihn immer wieder zum Weitermachen an. Im letzten Jahr hat mir ein gegnerischer Trainer gesagt, dass er froh sei, nicht abgestiegen zu sein, sonst könnte er hier nicht mehr spielen. Ein vergleichbares Spektakel in so einer Halle gibt es nirgendwo. Auch wenn sich die Gegner schwer tun, sie kommen gerne zu uns. Am liebsten würde ich nur daheim spielen.

Abschließende Frage: Wieviel von Ihrem Vater Joachim Liebscher, der die größten Zeiten des Klubs bis zur 2. Bundesliga mitgemacht hat, steckt in Joschi Liebscher?

Damals war ich zwischen sechs und acht Jahre alt und habe ihn kaumspielen sehen. Von seiner Gelassenheit auf dem Feld habe ich sicher etwas mitbekommen. Wir unterscheiden uns aber schon dahin, dass ich Rechts- und er Linkshänder ist. Bei meinem Cousin Jan Liebscher und dessen Vater Rudi ist es genau umgekehrt. Ich bin ielleicht flexibler einsetzbar, dafür war mein Vater technisch der versiertere Spieler.

Das Gespräch führte
Peter Perzl

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